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Versicherungen verstehen: was du brauchst und was nicht

Vorgeschrieben sind für Privatleute vor allem die Krankenversicherung und für Fahrzeughalter die Kfz-Haftpflicht; alles Weitere richtet sich danach, welcher Schaden dich finanziell überfordern würde.

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Geöffneter Ringordner mit leeren Registerblättern auf einem hellen Holztisch, daneben ein Autoschlüssel und eine Lesebrille
Bild: KI-generiert

Ob sich eine Versicherung lohnt, hängt an einer Frage: Könntest du den Schaden, den sie abdeckt, aus eigenem Geld bezahlen? Die Verbraucherzentrale rät, den Schutz am größten anzunehmenden Schaden auszurichten. Policen, die nur kleinere Verluste ersetzen, stuft sie dagegen oft als entbehrlich ein [1]. Daneben gibt es wenige Versicherungen, die das Gesetz vorschreibt.

Was Pflicht ist

Jede Person mit Wohnsitz in Deutschland muss krankenversichert sein. Wer nicht gesetzlich versichert ist, braucht eine private Krankheitskostenversicherung, die mindestens ambulante und stationäre Behandlung erstattet [2]. Wer ein Auto oder Motorrad mit Standort in Deutschland hält, muss eine Kfz-Haftpflichtversicherung abschließen und aufrechterhalten. Sie deckt Personen-, Sach- und Vermögensschäden, die beim Gebrauch des Fahrzeugs entstehen [3]. Wie Teilkasko und Vollkasko dazukommen und wie der Beitrag entsteht, erklärt der Bereich Auto und Motorrad.

Für Hunde gilt eine strenge Haftung: Verletzt ein Tier einen Menschen oder beschädigt es eine Sache, muss der Halter den Schaden ersetzen [4]. Ob dafür eine Haftpflichtversicherung vorgeschrieben ist, regeln die Länder in eigenen Hundegesetzen. In Niedersachsen zum Beispiel braucht jeder Hund, der älter als sechs Monate ist, eine Haftpflicht mit mindestens 500.000 Euro für Personen- und 250.000 Euro für Sachschäden [5]. Die Regeln aller Bundesländer stehen unter Hundehaftpflicht und Pflicht in den Bundesländern.

Was existenzielle Risiken abdeckt

Die Privathaftpflicht nennt die Verbraucherzentrale "ein absolutes Muss für alle". Wer einem anderen schuldhaft einen Schaden zufügt, haftet nach dem Gesetz in unbegrenzter Höhe. Als Deckungssumme rät sie zu mindestens 10 Millionen Euro, besser 50 oder 100 Millionen Euro [6]. Die Hausratversicherung hält sie für sinnvoll, weil sich die Einrichtung nach einem Brand, Wasserschaden oder Einbruch oft nicht aus Ersparnissen neu anschaffen lässt. Eigentümern rät sie zur Wohngebäudeversicherung und als Ergänzung zum Elementarschutz [1]. Was diese Verträge zahlen und wo ihre Grenzen liegen, steht im Bereich Haus, Haftung und Recht.

Helles Wohnzimmer einer Mietwohnung mit grauem Sofa, Holzkommode, Zimmerpflanzen und einem Fahrrad an der Flurwand
Bild: KI-generiert

Je nach Lebenslage kommt die Absicherung von Einkommen und Familie hinzu. Für Singles und Paare führt die Verbraucherzentrale die Berufsunfähigkeitsversicherung auf, für Familien und Alleinerziehende außerdem eine Risikolebensversicherung sowie eine Kinderinvaliditäts- und eine Kinderunfallversicherung [1]. Eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bei Berufsunfähigkeit zahlt die gesetzliche Rentenversicherung nur noch Versicherten, die vor dem 02.01.1961 geboren sind [7]. Die Verträge erklärt der Bereich Gesundheit und Vorsorge. Welche Sparten in Ausbildung, Familie, Selbstständigkeit oder Ruhestand zählen, zeigen der Bereich Versicherungen nach Lebenslage und der Versicherungs-Check.

Was oft verzichtbar ist

Als entbehrlich nennt die Verbraucherzentrale die Reisegepäck-, Glas- und Sterbegeldversicherung sowie die private Arbeitslosenversicherung. Versicherungen für Fahrrad, Handy, Laptop oder Brille lohnen sich nach ihrer Einschätzung nur bei sehr teuren Anschaffungen [1]. Vor einem neuen Abschluss hilft ein Blick in die Verträge, die du schon hast. Ist dasselbe Risiko bei mehreren Versicherern abgesichert, bekommst du insgesamt höchstens den tatsächlichen Schaden ersetzt [8], zahlst aber mehrfach Beitrag. Wie du solche Überschneidungen findest, erklärt Doppelt versichert: Überschneidungen finden. Welche Reiseversicherungen für den Urlaub zählen, vom Auslandskrankenschutz bis zum Reiserücktritt, steht im Bereich Reise und Urlaub.

Deine Rechte rund um den Vertrag

Einen neuen Vertrag kannst du 14 Tage lang ohne Begründung in Textform widerrufen. Die Frist beginnt erst, wenn du Versicherungsschein, Vertragsbedingungen und die Belehrung über das Widerrufsrecht in Textform bekommen hast [9]. Bei einer Lebensversicherung beträgt die Frist 30 Tage [10]. Ein unbefristeter Vertrag lässt sich zum Ende der laufenden Versicherungsperiode kündigen, mit einer Frist von mindestens einem und höchstens drei Monaten. Läuft ein Vertrag länger als drei Jahre, kannst du ihn zum Ende des dritten und jedes folgenden Jahres mit drei Monaten Frist kündigen [11]. Fristen, Sonderkündigungsrechte und Musterschreiben stehen auf vertrag-kuendigen.com.

Eine Frau in den Vierzigern sitzt mit Stift, leerem Blatt, geöffnetem Umschlag und Kaffeetasse am Küchentisch
Bild: KI-generiert

Zahlt der Versicherer nicht oder weniger als erwartet, kannst du dich kostenlos an den Versicherungsombudsmann wenden, wenn dein Versicherer dort Mitglied ist. Bis zu einem Beschwerdewert von 10.000 Euro kann er den Versicherer zur Leistung verpflichten, darüber spricht er Empfehlungen aus, und für Beschwerden über 100.000 Euro ist er nicht zuständig. Während des Verfahrens verjähren deine Ansprüche gegen den Versicherer nicht. Für die private Kranken- und Pflegeversicherung gibt es einen eigenen Ombudsmann [12]. Die BaFin nimmt ebenfalls Beschwerden an, darf aber keine einzelnen Streitfälle entscheiden [13]. Die nächsten Schritte erklären Wenn die Versicherung nicht zahlt und Versicherungsombudsmann und Beschwerde bei der BaFin.

Wo du anfangen kannst

Die Ratgeber im Bereich Grundlagen betreffen fast jede Sparte: wie du Angebote vergleichst, wann sich eine Selbstbeteiligung rechnet, was eine Unterversicherung kostet, welche Pflichten du im Schadenfall hast und wie du ohne Lücke wechselst. Fachwörter wie Obliegenheit, Unterversicherungsverzicht oder Schadenfreiheitsklasse erklärt das Glossar, kurze Antworten stehen in den häufigen Fragen. Wer zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung abwägt, findet die Unterschiede unter PKV oder GKV: die Unterschiede.

  1. Organisation Welche Versicherung brauche ich?. Verbraucherzentrale. Stand 20.01.2025. abgerufen am 29.10.2026
  2. Gesetz § 193 VVG: Versicherte Person; Versicherungspflicht, Absatz 3. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
  3. Gesetz § 1 PflVG: Versicherungspflicht. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
  4. Gesetz § 833 BGB: Haftung des Tierhalters. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
  5. Gesetz Niedersächsisches Gesetz über das Halten von Hunden (NHundG), § 5. Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Stand Fassung vom 26.05.2011. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Private Haftpflichtversicherung: Ein absolutes Muss für alle!. Verbraucherzentrale. Stand 07.10.2026. abgerufen am 29.10.2026
  7. Gesetz § 240 SGB VI: Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung bei Berufsunfähigkeit. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
  8. Gesetz § 78 VVG: Haftung bei Mehrfachversicherung. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
  9. Gesetz § 8 VVG: Widerrufsrecht des Versicherungsnehmers. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
  10. Gesetz § 152 VVG: Widerruf des Versicherungsnehmers (Lebensversicherung). Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
  11. Gesetz § 11 VVG: Verlängerung, Kündigung. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand aktuelle Fassung. abgerufen am 29.10.2026
  12. Organisation Das Schlichtungsverfahren. Versicherungsombudsmann e. V.. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026
  13. Behörde Bei der Bafin beschweren. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Stand ohne Datum. abgerufen am 29.10.2026

Häufige Fragen

Welche Versicherungen sind in Deutschland Pflicht?

Für jede Person mit Wohnsitz in Deutschland die Krankenversicherung, gesetzlich oder privat. Wer ein Auto oder Motorrad hält, braucht eine Kfz-Haftpflicht. Für Hunde schreiben einige Bundesländer eine Haftpflicht vor, Niedersachsen zum Beispiel für jeden Hund ab einem Alter von sechs Monaten.

Welche freiwillige Versicherung ist die wichtigste?

Die Verbraucherzentrale nennt die Privathaftpflicht "ein absolutes Muss für alle", weil du für Schäden an anderen in unbegrenzter Höhe haftest. Sie rät zu einer Deckungssumme von mindestens 10 Millionen Euro.

Welche Versicherungen gelten als verzichtbar?

Die Verbraucherzentrale hält Reisegepäck-, Glas- und Sterbegeldversicherung sowie die private Arbeitslosenversicherung für entbehrlich. Geräteversicherungen für Handy, Laptop, Fahrrad oder Brille lohnen sich nach ihrer Einschätzung nur bei sehr teuren Geräten.

Wie lange kann ich einen neuen Versicherungsvertrag widerrufen?

14 Tage, bei einer Lebensversicherung 30 Tage. Die Frist beginnt erst, wenn du Versicherungsschein, Bedingungen und die Widerrufsbelehrung in Textform erhalten hast. Eine Begründung brauchst du nicht.

Wo finde ich Hilfe beim Kündigen einer Versicherung?

Kündigungsfristen, Sonderkündigungsrechte und Musterschreiben für die einzelnen Sparten stehen auf vertrag-kuendigen.com. Die gesetzliche Kündigungsfrist liegt zwischen einem und drei Monaten zum Ende der Versicherungsperiode.