Auto und MotorradRatgeber

Typklasse und Regionalklasse: wie Automodell und Wohnort den Beitrag beeinflussen

Die Typklasse gibt an, wie viele und wie teure Schäden ein Automodell im Vergleich zu allen Modellen verursacht, die Regionalklasse dasselbe für den Zulassungsbezirk des Halters. Der GDV berechnet beide jährlich neu, für 2027 auf Basis der Schäden aus 2023 bis 2025 bei der Typklasse. Die Versicherer sind an diese Statistik nicht gebunden, viele nutzen sie aber als Grundlage für den Beitrag.

Verschiedene Autos stehen nebeneinander auf einem sonnigen Parkplatz, ein Kleinwagen, ein Kombi und ein großer Geländewagen
Bild: KI-generiert

Zwei Merkmale im Beitrag der Kfz-Versicherung hängen nicht von dir als Fahrer ab: die Typklasse deines Automodells und die Regionalklasse deines Wohnorts. Beide drücken aus, wie hoch der Schadenbedarf einer Gruppe im Vergleich zum Durchschnitt aller ist. Die Musterbedingungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beschreiben das Verfahren so: Ein unabhängiger Treuhänder ermittelt jährlich, ob sich der Schadenbedarf eines Fahrzeugtyps oder einer Region im Verhältnis zu allen anderen erhöht oder verringert hat. Ändert er sich, kann das Fahrzeug in eine andere Klasse rutschen. Die Beitragsänderung wird mit Beginn des nächsten Versicherungsjahres wirksam [1].

Was die Typklasse misst

Die Typklasse ordnet jedes Automodell nach seiner Schadenbilanz ein. Modelle mit weniger Schäden kommen in eine niedrigere Klasse, was den Beitrag tendenziell günstiger macht [5]. Grundlage sind die Schäden und Reparaturkosten der letzten drei Jahre [5]. Es gibt drei getrennte Skalen, weil Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko unterschiedliche Schäden bezahlen. Für die Typklassen 2027 gelten diese Spannen [3]:

Ein Kfz-Mechaniker in den Fünfzigern prüft in einer hellen Werkstatt einen beschädigten Scheinwerfer auf der Werkbank
Bild: KI-generiert
SparteZahl der KlassenSpanne
Kfz-Haftpflicht1610 bis 25
Vollkasko2510 bis 34
Teilkasko2410 bis 33

In der Haftpflicht zählen die Schäden, die Fahrer eines Modells anderen zufügen. In der Kasko kommen der Wiederbeschaffungswert, die Reparaturkosten und die Ersatzteilpreise dazu. Der GDV fasst das so zusammen: Je teurer ein Auto und seine Ersatzteile sind, desto höher fällt meist die Kasko-Typklasse aus. Als Beispiele für hohe Kasko-Einstufungen nennt er Porsche Panamera, Land Rover Range Rover und Toyota Land Cruiser [3].

Was die Regionalklasse misst

Die Regionalklasse vergleicht die Zulassungsbezirke. In der Haftpflicht fließen die Zahl der Schäden im Verhältnis zu den zugelassenen Fahrzeugen, die durchschnittliche Schadenhöhe und Unfallschwerpunkte ein. In der Kasko kommen Diebstähle, Sturm- und Hagelschäden und Wildunfälle dazu [6]. Ein Indexwert stellt jede Region dem Bundesdurchschnitt von 100 gegenüber. Werte über 100 bedeuten eine schlechtere Schadenbilanz [6].

Luftbild einer kleinen Stadt mit roten Dächern zwischen Feldern und Wald, eine Landstraße schlängelt sich hindurch
Bild: KI-generiert

Für die Regionalklassen 2027 hat der GDV 413 Zulassungsbezirke eingestuft [4]:

SparteZahl der KlassenBundesdurchschnitt (Index 100)beste Klasseschlechteste Klasse
Kfz-Haftpflicht12Klasse 6Landkreis Elbe-Elster (Index 67,32)Offenbach (Index 139,44)
Vollkasko9Klasse 4Wesermarsch in Brake (Index 79,87)Garmisch-Partenkirchen (Index 150,55)
Teilkasko16Klasse 7Bielefeld (Index 61,97)Ostallgäu (Index 228,35)

In der Haftpflicht folgen hinter Offenbach Gelsenkirchen und Berlin [4]. Der Teilkaskoindex von Ostallgäu liegt mehr als doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt. Welche Ursachen dahinterstehen, schlüsselt die Medieninformation für die einzelnen Bezirke nicht auf.

Welche Region für dein Auto gilt, hängt am Halter. Nach den Musterbedingungen ist der Wohnsitz maßgeblich, den die Zulassungsbehörde dem Versicherer meldet [1]. Ziehst du um und landet das Auto dadurch in einer anderen Regionalklasse, gilt der neue Beitrag ab der Ummeldung bei der Zulassungsbehörde [2]. Der Unfallort spielt für deine Einstufung keine Rolle.

Was sich mit der Statistik 2027 ändert

Die Typklassenstatistik 2027 hat der GDV am 30.09.2026 veröffentlicht. Sie umfasst rund 33.000 Automodelle und wertet die Schäden der Jahre 2023 bis 2025 aus [3]. In der Kfz-Haftpflicht kommen rund 7,4 Millionen Halter in eine höhere und rund 5,1 Millionen in eine niedrigere Typklasse. Fast 30 Millionen, 71 Prozent, behalten ihre Klasse. In der Voll- und Teilkasko bleibt es für 67 Prozent der Versicherten bei der bisherigen Einstufung [3]. Wie viele Halter in der Kasko auf- oder absteigen, nennt die Medieninformation nicht.

Die Regionalklassen 2027 folgten am 09.09.2026. In der Haftpflicht werden rund 5,2 Millionen Autofahrende aus 63 Bezirken besser eingestuft und rund 4,8 Millionen aus 46 Bezirken schlechter. In 304 Bezirken mit über 32 Millionen Autofahrenden bleibt die Klasse gleich. In der Kasko behalten rund 33 Millionen ihre Klasse, je rund 2,4 Millionen steigen auf oder ab [4].

Warum die Klasse nicht den Beitrag festlegt

Die GDV-Statistiken sind für die Versicherer unverbindlich. Ein Versicherer kann sie ganz, teilweise oder gar nicht übernehmen und eigene Einstufungen verwenden. Deine Klasse bei deinem Versicherer kann also von der GDV-Abfrage abweichen [6]. Neue Verträge können die Werte sofort berücksichtigen, bestehende ab dem nächsten Versicherungsjahr [3, 4].

Auch wenn dein Versicherer die Statistik übernimmt, sagt eine neue Klasse allein wenig über deinen Beitrag. Der GDV nennt weitere Faktoren wie die Regionalklasse und die Jahresfahrleistung und verweist auf Reparaturkosten, die seit Jahren stärker steigen als die allgemeine Inflation [3]. Dazu kommt deine Schadenfreiheitsklasse. Der GDV rechnet eine höhere Klasse nicht in Prozent Beitrag um, und jeder Tarif ist anders aufgebaut.

Welche Merkmale außerdem in den Beitrag eingehen

Typ- und Regionalklasse sind tarifliche Merkmale, die der Versicherer festlegt. Daneben stehen Merkmale, die du selbst angibst. Die Musterbedingungen nennen für Pkw als Beispiele den regelmäßigen nächtlichen Abstellort, etwa Einzelgarage, Tiefgarage, gesichertes Grundstück oder Carport, die jährliche Fahrleistung in Klassen, selbst genutztes Wohneigentum, den Kreis der Nutzer, das Alter der Nutzer und das Fahrzeugalter beim Kauf. Bei Krafträdern zählen unter anderem das Nutzeralter und die Motorleistung [2]. Welche Merkmale ein Versicherer tatsächlich verwendet, steht in seinem Versicherungsschein.

Anders als Typ- und Regionalklasse liegen diese Angaben in deiner Verantwortung. Ändert sich ein Merkmal aus dem Versicherungsschein, musst du das unverzüglich anzeigen. Der Beitrag wird dann neu berechnet, und zwar ab dem Tag der Änderung, bei der Jahresfahrleistung rückwirkend ab Beginn des laufenden Versicherungsjahres [2]. Hast du falsche Angaben gemacht oder eine Änderung nicht gemeldet und deshalb zu wenig gezahlt, gilt rückwirkend ab Beginn des Versicherungsjahres der richtige Beitrag. Bei vorsätzlich falschen Angaben sehen die Musterbedingungen zusätzlich eine Vertragsstrafe vor, deren Höhe der Versicherer festlegt [2]. Der Versicherer darf die Angaben überprüfen und Nachweise verlangen [2].

Für die Regionalklasse gibt es eigene Tabellen für Pkw, Krafträder, Leichtkrafträder, Quads und Trikes, Lkw im Werkverkehr, landwirtschaftliche Zugmaschinen und Campingfahrzeuge [2]. Wer ein Motorrad oder Wohnmobil versichert, sollte also nicht von der Pkw-Klasse seines Wohnorts ausgehen.

Die eigene Klasse abfragen

Die Typklasse eines Modells kannst du kostenlos über die Typklassenabfrage des GDV herausfinden, entweder über Marke und Modell oder über die Schlüsselnummern HSN und TSN [5]. Die Herstellerschlüsselnummer (HSN, vier Ziffern) steht in einer Zulassungsbescheinigung Teil I, die nach Oktober 2005 ausgestellt wurde, in Feld 2.1, die Typschlüsselnummer (TSN, drei Stellen) in Feld 2.2. In älteren Fahrzeugscheinen findest du sie in den Feldern "zu 2" und "zu 3" [7]. Die Kombination beider Nummern ordnet den Fahrzeugtyp eindeutig zu und vermeidet falsche Zuordnungen [7].

Eine Frau in den Vierzigern sitzt am Steuer eines geparkten Autos und hält einen gefalteten Fahrzeugschein in der Hand
Bild: KI-generiert

Für den Wohnort gibt es die Regionalklassenabfrage des GDV. Du suchst nach Postleitzahl, Wohnort oder Zulassungsbezirk und siehst die Klassen für Haftpflicht, Teilkasko und Vollkasko, den Indexwert und die Veränderung zum Vorjahr [6]. Die eigene Einstufung beim Versicherer steht im Versicherungsschein. Dort findest du nach den Musterbedingungen die Typklasse und die Regionalklasse, denen dein Fahrzeug zu Beginn des Vertrags zugeordnet wurde [1].

Kündigen, wenn die Klasse den Beitrag erhöht

Erhöht der Versicherer den Beitrag wegen einer neuen Typ- oder Regionalklasse, gibt dir das ein besonderes Kündigungsrecht. Nach den Musterbedingungen kannst du innerhalb eines Monats nach Zugang der Mitteilung kündigen. Die Kündigung wirkt sofort, frühestens aber zu dem Zeitpunkt, zu dem die Erhöhung gegolten hätte. Der Versicherer muss dir die Erhöhung spätestens einen Monat vorher mitteilen und auf das Kündigungsrecht hinweisen [1].

Eine Einschränkung steht ebenfalls in den Bedingungen: Werden mehrere Änderungen gleichzeitig wirksam, etwa eine bessere Regionalklasse und eine schlechtere Typklasse, besteht das Kündigungsrecht nur, wenn sie zusammen den Beitrag erhöhen. Für die Kasko gilt das entsprechend [1]. Eine Rückstufung nach einem Schaden zählt nicht zu diesen tariflichen Änderungen. Wie die Kündigung im Einzelnen abläuft, erklärt Kfz-Versicherung kündigen. Vor einem Autokauf lohnt der Blick in die Typklassenabfrage, weil Modelle mit ähnlichem Preis in der Kasko weit auseinanderliegen können. Was Fahranfänger zusätzlich beachten, steht unter Kfz-Versicherung für Fahranfänger, die Grundlagen der Sparten unter Teilkasko oder Vollkasko.

  1. Organisation Allgemeine Bedingungen für die Kfz-Versicherung (AKB 2015), Abschnitte J.1, J.2, J.4 und G.2.7. GDV. Stand 13.10.2026. abgerufen am 29.10.2026
  2. Organisation Allgemeine Bedingungen für die Kfz-Versicherung (AKB 2015), Abschnitte K.2 bis K.4, Anhänge 2 und 4. GDV. Stand 13.10.2026. abgerufen am 29.10.2026
  3. Organisation Kfz-Haftpflicht: Typklasse ändert sich für mehr als 12 Millionen Autofahrende. GDV. Stand 30.09.2026. abgerufen am 29.10.2026
  4. Organisation Deutschlandweit neue Regionalklassen für fast zehn Millionen Autofahrende. GDV. Stand 09.09.2026. abgerufen am 29.10.2026
  5. Organisation Typklasse 2027 kostenlos abfragen. GDV, dieversicherer.de. Stand 30.09.2026. abgerufen am 29.10.2026
  6. Organisation Kfz-Regionalklassen 2027: Regionalklasse nach PLZ abfragen. GDV, dieversicherer.de. Stand 09.09.2026. abgerufen am 29.10.2026
  7. Organisation Kfz-Versicherung: Was bedeutet HSN und TSN?. GDV, dieversicherer.de. Stand 07.09.2023. abgerufen am 29.10.2026

Zuletzt geprüft am 29.10.2026, nächste Prüfung spätestens im Oktober 2027. Fehler entdeckt? Schreib uns.